BDD Direktvertriebskongress 2026: aus Sicht der Networker
Network-Marketing sitzt im deutschen Direktvertrieb nicht mehr am Katzentisch, sondern gibt zunehmend das Tempo vor.
Von Dirk Schiffner
Fractional Executive + Autor
Am 5. und 6. Oktober 2026 kamen 142 Teilnehmende zum jährlichen Direktvertriebskongress des Bundesverbands Direktvertrieb Deutschland (BDD) nach Potsdam. Das Motto: „Gemeinsam. Mehr!“. Dieser Bericht blickt mit den Augen von Networkern und Network Leadern auf den Kongress.
Vom exklusiven Club zur offenen Tür
Jahrzehntelang war der BDD die Heimat des klassischen Direktvertriebs: Verkauf von Tür zu Tür und auf Partys, Lobbyarbeit in Berlin und die deutsche Stimme im Kreis der nationalen Direktvertriebsverbände. Zu viele Network-Marketing-Unternehmen sind leider noch nicht Mitglied im BDD.
Doch in den letzten Jahren hat sich schon viel geändert. Heute werden auch Network Marketing-Unternehmen aufgenommen – allerdings erst nach einer gründlichen Prüfung von Geschäftsmodell, Vergütungsplan und Geschäftspraktiken. Die Mitgliedschaft ist damit ein Gütesiegel und keine Formsache.

Inzwischen gestalten Network-Marketer den Verband sogar aktiv mit. Im Vorstand, der für weitere zwei Jahre bestätigt wurde, sitzen Patrick Bacher (PM-International) und Dr. Michael Russ (RINGANA) neben Elke E. Kopp (Mary Kay), Daniela Paul (Vorwerk), Stefan Hummel (AMC) und Markus Hölle (Ha-Ra).
Die Umsätze der Unternehmen, die nicht Mitglied sind, fließen nicht in die Zahlen des BDD ein. Das sollte man im Hinterkopf behalten, wann immer die Marktgröße zitiert wird. Offiziell liegt sie bei 21,24 Milliarden Euro. Tatsächlich dürfte sie deutlich höher sein, weil so viele Network Marketing-Unternehmen noch gar nicht erfasst sind.
Neue Mitglieder aus Korea, der Schweiz und Italien
Drei neue Mitglieder hat der BDD in diesem Jahr aufgenommen – und sie zeigen, wie international der deutsche Direktvertrieb wird: Déesse, ein Schweizer Kosmetik-Network Unternehmen, 1971 gegründet und heute in zweiter Generation geführt; Atomy Europe aus Korea, weltweit bereits ein Kosmetik – und Nahrungsergänzungsunternehmen mit 1,7 Milliarden US-Dollar Umsatz; und schließlich Union Energie aus Italien, eines der ersten Unternehmen in Europa, das Network-Marketing und Energieversorgung verbindet.
Das passt zu einem weltweiten Trend. Mit badenova, RheinEnergie, den Stadtwerken Duisburg und lekker wurden in diesem Jahr gleich mehrere Energie- und Dienstleistungsanbieter ausgezeichnet. Sie zeigen, dass der Verkauf von Tür zu Tür ein Comeback erlebt und dass gleichzeitig Dienstleistungen einen immer größeren Anteil am Direktvertrieb erlangen, genau wie in den USA.
Der Markt wächst
Die BDD-Marktstudie unter der Leitung von Prof. Dr. Florian Kraus (Universität Mannheim), vorgestellt gemeinsam mit Prof. Dr. Manfred Krafft (Universität Münster), bestätigt den Trend. Der Direktvertrieb in Deutschland setzte 2025 21,24 Milliarden Euro um – 1,7 % mehr als 2024 und 30 % mehr als vor zehn Jahren. Die 128 befragten Unternehmen rechnen für 2026 mit einem Wachstum von 3,7 %. Die Zahl der Vertriebspartnerinnen und -partner blieb mit 906.433 nahezu stabil, 57 % davon sind Frauen.
Die Marktdynamik ist also intakt. Und weil die offiziellen Zahlen so viele Network-Marketing Unternehmen nicht erfassen, dürfte die Lage für Networker sogar noch besser sein.

Zwei Networker auf dem Podest
Die BDD-Unternehmenspreise werden nach prozentualem Umsatzwachstum vergeben. In der Kategorie „Große Unternehmen“ (ab 50 Millionen Euro Jahresumsatz) sah das Podest so aus:
- RINGANA
- PM-International
- Vorwerk
Zwei der drei wachstumsstärksten großen Unternehmen kommen also aus dem Network Marketing. Vorwerk, die Ikone des deutschen Direktvertriebs, belegt Platz drei. Dabei legten die Vorwerk-Marken Thermomix und Kobold 2025 in Deutschland um 17,6 % zu, von 728 auf 856 Millionen Euro. Wenn RINGANA und PM-International noch vor Vorwerk liegen, müssen sie also noch stärker gewachsen sein.

Der Innovation Award geht an lekker
Es gibt nur einen Innovation Award, und über ihn stimmten die Teilnehmenden live ab. Gewonnen hat der Energieversorger lekker mit seinem Umweltunterricht an Heinsberger Grundschulen – ein verdienter Sieg.
Meine Stimme habe ich allerdings dem Projekt von PM gegeben, denn Jahr für Jahr verbessert PM die Bedingungen für seine Partner. Die kontinuierliche Verbesserung ist eine Strategie – oder, wie Patrick Bacher es in Potsdam formulierte:
„Bei PM-International laufen wir einen Marathon, keinen Sprint.“
Für Networker ist genau das die Innovation, die tatsächlich im Geldbeutel ankommt.
Der Partner-Award ging in diesem Jahr an Meurer Consulting und seine Inhaberin Anita Meurer, die wohl charmanteste Headhunterin im europäischen Direktvertrieb.
Wissenschaftspreise
Der BDD ist vermutlich der einzige Direktvertriebsverband, der Studierende und Promovierende für ihre Forschung zum Direktvertrieb mit einem eigenen Wissenschaftspreis auszeichnet. In diesem Jahr wurden drei Forscherinnen geehrt, und alle drei Themen sind für Networker hochrelevant:
Dr. Giulia Kuznik (beste Doktorarbeit) hat untersucht, wie B2B-Unternehmen Social Selling in ihrer Organisation verankern. Für Networker ist Social Selling längst Alltag.
Eva Mandl (beste Masterarbeit) von RINGANA hat sich mit Arbeitszufriedenheit und Bindung von Vertriebspartnern im Network-Marketing beschäftigt – also mit der Frage, was Partner langfristig an Bord hält.
Anne Seelmann (beste Bachelorarbeit) zeigt, dass Verkäufer den Wert ihres Angebots geringer einschätzen als ihre Kunden. Viele Networker verkaufen sich unter Wert.

Was Networker mitnehmen sollten
- Die Zahlen unterschätzen uns. Die offizielle Marktgröße ist eine Untergrenze, nicht das ganze Bild.
- Network-Marketing ist angekommen. Geprüfte Network-Unternehmen sitzen heute im BDD gleichberechtigt neben dem klassischen Direktvertrieb – und wachsen schneller als die meisten.
- Neue Kategorien entstehen. Energie im Network-Marketing, wie Union Energie es vormacht, könnte in Deutschland zu einer eigenen Produktkategorie werden.
- Beständigkeit gewinnt. Wer die Partnerbedingungen Jahr für Jahr verbessert, wächst langfristig.
„Gemeinsam. Mehr!“ lautete das Motto. Für Networker hat Potsdam 2026 gezeigt: Zu „gemeinsam“ gehören sie inzwischen dazu – und „mehr“ ist das, was sie liefern.
Der nächste Direktvertriebskongress findet am 18. und 19. Oktober 2027 statt – im Jahr, in dem der BDD 60 Jahre alt wird.
Über Dirk Schiffner, Fractional Executive + Autor
Dirk Schiffner ist seit 21 Jahren in der Direktvertriebsbranche tätig – im Verkauf, in der Führung und im Management auf allen Ebenen, vom Praktikanten bis zum Country Manager. Er hat in ganz Europa mit Unternehmen wie Amway, Vorwerk, PartyLite, Ringana, Soluni, Riman und Bravenly Global zusammengearbeitet und spricht fünf Sprachen fließend.

Er ist Autor eines Buches, das den Direktvertrieb aus der Innen- und Außenperspektive erklärt. Es erschien 2024 auf Deutsch und wurde 2025 vom französischen Direktvertriebsverband FVD auf Französisch veröffentlicht. Er ist empfohlener Partner des BDD, des deutschen Direktvertriebsverbands.
Seine Leidenschaft ist es, die Entwicklung der derzeit besten Direktvertriebsunternehmen zu verfolgen, sie zu beobachten und zu analysieren, um herauszufinden, was sie so herausragend macht.
Von der Schweiz aus ist er als Fractional Executive und strategischer Berater für einige der innovativsten Unternehmen der Branche tätig. Mit einem der stärksten Netzwerke Europas, das Verbände, Rechtsanwälte, Berater und Führungskräfte umfasst, hilft er Unternehmen dabei, die Best Practices der weltweit führenden Direktvertriebsunternehmen anzuwenden und den europäischen Markt zu erschließen.
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